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Auslandspraktikum während der Ausbildung: Möglichkeiten mit Erasmus+
Über 30.000 Auszubildende gehen jährlich über das Programm Erasmus+ für ein Praktikum ins europäische Ausland, vollständig kostenfrei, weil Reise, Unterkunft und Sprachkurs bezuschusst werden. Trotzdem nutzt nur ein Bruchteil aller Azubis diese Möglichkeit, meist aus einem einzigen Grund: fehlendes Wissen darüber, wie der Antrag überhaupt läuft.
Ein Auslandspraktikum während deiner dualen Ausbildung ist kein Sonderfall für wenige Berufe, sondern in fast jedem anerkannten Ausbildungsberuf möglich, von zwei Wochen bis zu mehreren Monaten, je nach Ausbildungsordnung und Absprache mit deinem Betrieb.
Was Erasmus+ für Azubis konkret bietet
Erasmus+ ist nicht nur ein Studierendenprogramm, seit einigen Jahren steht ein eigener Programmteil speziell für die berufliche Bildung zur Verfügung, oft als „Erasmus+ Berufsbildung” bezeichnet. Gefördert werden Auslandsaufenthalte zwischen zwei Wochen und zwölf Monaten in einem der über 30 Programmländer, meist innerhalb der Europäischen Union.

Wer die Förderung beantragt: und wer nicht
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Ein häufiges Missverständnis: Du stellst den Antrag nicht selbst direkt bei der EU. Zuständig sind akkreditierte Entsendeorganisationen, das können Kammern, Bildungsträger, Berufsschulen oder spezialisierte Vermittlungsstellen sein, die bereits eine Erasmus+-Akkreditierung besitzen. Diese Organisationen kümmern sich um Fördermittelantrag, Partnerbetriebssuche im Ausland und organisatorische Abwicklung.

- Berufsschule oder Kammer ansprechen: Viele Berufsschulen haben ein Auslandsbüro oder eine Ansprechperson für Erasmus+, die bereits Kontakte zu Partnerorganisationen im Ausland pflegt.
- Ausbildungsbetrieb informieren und Zustimmung einholen: Dein Betrieb muss der Freistellung zustimmen, da deine Ausbildungszeit im Ausland weiterläuft und angerechnet wird.
- Bewerbung bei der Entsendeorganisation einreichen: Meist mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und einer kurzen Einschätzung deiner Sprachkenntnisse.
Voraussetzungen im Überblick
| Kriterium | Typische Regel |
|---|---|
| Ausbildungsstand | Meist ab dem zweiten Ausbildungsjahr, teils schon früher möglich |
| Zustimmung des Betriebs | Zwingend erforderlich, meist schriftlich |
| Sprachkenntnisse | Grundkenntnisse hilfreich, kein Ausschlusskriterium, Sprachkurs wird gefördert |
| Dauer | Zwei Wochen bis zwölf Monate, in der Praxis meist drei bis acht Wochen |
Wie viel Vorlaufzeit realistisch ist
Zwischen deiner ersten Anfrage bei der Berufsschule und der tatsächlichen Abreise vergehen häufig sechs bis zwölf Monate. Das liegt weniger an bürokratischen Hürden als an der Partnerbetriebssuche im Ausland, ein passender Praktikumsplatz, der zu deinem Ausbildungsberuf passt, muss erst gefunden werden, und Förderrunden bei den Entsendeorganisationen laufen meist in festen Zyklen pro Schuljahr.
Was das Praktikum für deine Ausbildung bedeutet
Die im Ausland verbrachte Zeit zählt regulär zu deiner Ausbildungszeit, sie verlängert deine Ausbildung nicht, sofern die Inhalte mit dem Ausbildungsrahmenplan vereinbar sind. Am Ende deines Auslandspraktikums stellt der ausländische Betrieb eine Bescheinigung über die vermittelten Kompetenzen aus, die in Deutschland als Nachweis dient. Häufig wird dafür das europaweit anerkannte Europass-Mobilitätsdokument genutzt, das deine im Ausland erworbenen Fähigkeiten strukturiert auflistet.
Für deinen späteren Lebenslauf ist ein dokumentiertes Auslandspraktikum ein klares Plus, es zeigt Auslandserfahrung, Anpassungsfähigkeit und oft auch verbesserte Fremdsprachenkenntnisse, ohne dass du dafür ein komplettes Auslandsjahr oder ein Studium brauchst.

Typische Stolpersteine
- Zu später Start: Fragst du erst kurz vor dem gewünschten Zeitraum an, findest du oft keinen freien Platz mehr in der aktuellen Förderrunde.
- Fehlende Abstimmung mit der Berufsschule: Den Unterrichtsstoff während deiner Abwesenheit musst du nachholen, eine frühzeitige Absprache mit den Lehrkräften erspart dir Stress nach der Rückkehr.
- Unklare Kostenübernahme: Nicht jede Ausgabe wird pauschal gedeckt, ein detaillierter Blick auf den Förderbescheid der Entsendeorganisation klärt, was du zusätzlich einplanen musst.
Alternative Programme neben Erasmus+
Neben Erasmus+ gibt es weitere Förderwege, die du teils parallel oder ergänzend nutzen kannst, etwa Programme einzelner Bundesländer oder branchenspezifische Austauschprogramme von Kammern und Verbänden. Erkundigst du dich bei der Berufsschule nach Erasmus+, bekommst du in der Regel auch einen Überblick über diese zusätzlichen Optionen, da die Ansprechpersonen meist mehrere Programme gleichzeitig betreuen.
Checkliste für deinen Antrag
- Zuständige Ansprechperson für Erasmus+ an deiner Berufsschule oder Kammer finden
- Schriftliche Zustimmung deines Ausbildungsbetriebs frühzeitig einholen
- Wunschzeitraum und Wunschland mit den Förderrunden der Entsendeorganisation abgleichen
- Sprachkurs-Angebot im Rahmen der Förderung klären
- Absprache mit der Berufsschule zum Nachholen von verpasstem Unterrichtsstoff treffen
Welche Länder und Berufe infrage kommen
Grundsätzlich stehen dir alle über 30 Programmländer offen, von den klassischen Zielen wie Spanien, Frankreich oder Italien bis zu weniger häufig gewählten Ländern wie Finnland oder Portugal. Beliebt sind bei Azubis vor allem Länder mit vergleichbarer Berufsstruktur, da sich dort leichter ein passender Praktikumsbetrieb finden lässt. Kaufmännische Berufe, Hotellerie und Gastronomie sowie technische Berufe wie Mechatronik oder Elektrotechnik haben traditionell die meisten Partnerbetriebe im Ausland, weil hier die größte Nachfrage besteht und Entsendeorganisationen entsprechend viele Kontakte pflegen.

Grundsätzlich ist ein Auslandspraktikum aber nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt, auch in weniger häufig vertretenen Ausbildungsberufen lohnt sich deine Anfrage bei der zuständigen Kammer, da neue Partnerschaften laufend aufgebaut werden. Findest du keinen passenden Betrieb über die reguläre Vermittlung, kannst du in Absprache mit der Entsendeorganisation teils auch eigene Kontakte einbringen, etwa über Verwandte oder Bekannte im Zielland.
Vorbereitung: Was du vor der Abreise klären solltest
Neben dem eigentlichen Praktikumsplatz gibt es eine Reihe organisatorischer Punkte, die du vor der Abreise klären solltest:
- Unterkunft: Viele Entsendeorganisationen vermitteln dir direkt Gastfamilien, Wohnheime oder WGs am Zielort, eine eigenständige Suche ist meist nicht nötig, aber möglich.
- Versicherung: Eine Auslandskranken- und Unfallversicherung ist für die Förderdauer verpflichtend und wird häufig über die Entsendeorganisation mitorganisiert oder empfohlen.
- Sprachvorbereitung: Der geförderte Online-Sprachkurs (OLS) läuft meist automatisch nach deiner Zusage und solltest du vor Abreise so weit wie möglich nutzen.
- Reisedokumente: Innerhalb der EU reicht in der Regel dein Personalausweis, bei Zielen außerhalb der EU brauchst du Reisepass und teils ein Visum.
Nach der Rückkehr: Anerkennung und Dokumentation
Direkt nach deiner Rückkehr solltest du die im Ausland ausgestellten Dokumente sammeln, insbesondere das Europass-Mobilitätsdokument und eine Praktikumsbescheinigung des ausländischen Betriebs, und sie deiner Berufsschule sowie deinem Ausbildungsbetrieb vorlegen. Diese Nachweise landen häufig auch in deinem Berichtsheft und können bei der Abschlussprüfung als Beleg für zusätzlich erworbene Kompetenzen dienen, auch wenn sie die Prüfungsinhalte selbst nicht ersetzen.
Manche Kammern und Verbände vergeben zusätzlich ein eigenes Zertifikat oder einen Vermerk im Abschlusszeugnis für ein absolviertes Auslandspraktikum, das solltest du nachfragen, da es dir im späteren Lebenslauf ein zusätzliches, offiziell bestätigtes Argument liefert.
Was passiert, wenn dein Betrieb nicht zustimmt
Nicht jeder Ausbildungsbetrieb reagiert sofort begeistert auf die Idee eines mehrwöchigen Auslandsaufenthalts mitten in der Ausbildung, insbesondere in kleineren Betrieben kann deine Abwesenheit organisatorisch spürbar sein. Hilfreich ist in diesem Fall ein frühzeitiges, sachliches Gespräch, in dem du die konkreten Vorteile für den Betrieb aufzeigst: zusätzliche Fremdsprachenkenntnisse, internationale Erfahrung und häufig auch neue fachliche Impulse, die nach deiner Rückkehr in den Betrieb einfließen.
Manche Entsendeorganisationen bieten zudem an, direkt mit deinem Betrieb zu sprechen und typische Bedenken auszuräumen, etwa zur Anrechnung der Ausbildungszeit oder zur Absicherung während des Aufenthalts. Greifst du frühzeitig auf diese Unterstützung zurück, erhöhst du deine Chancen auf eine Zustimmung deutlich, gerade wenn dein Betrieb noch keine Erfahrung mit Erasmus+ hat.
Kosten, die trotz Förderung anfallen können
Auch wenn die Hauptkosten übernommen werden, bleiben in der Praxis oft kleinere Ausgaben für dich übrig, etwa für Freizeitaktivitäten am Zielort, zusätzliche Verpflegung oder persönliche Anschaffungen, die nicht Teil der Förderpauschale sind. Ein realistischer Puffer von einigen Hundert Euro für den gesamten Aufenthalt ist deshalb sinnvoll, auch wenn die großen Posten wie Anreise und Unterkunft abgedeckt sind. Hast du zusätzlich einen Nebenjob während der Ausbildung, kannst du diesen Puffer meist problemlos vorab ansparen.
Kurz zusammengefasst
Ein Auslandspraktikum während der Ausbildung ist über Erasmus+ für dich grundsätzlich zugänglich, organisiert über Berufsschulen, Kammern oder Bildungsträger, nicht über einen Direktantrag bei der EU. Reise-, Unterkunfts- und Sprachkurskosten werden übernommen, dein Ausbildungsgehalt läuft weiter. Planst du früh genug, sechs bis zwölf Monate vor deinem Wunschtermin, hast du die besten Chancen auf einen Platz in der nächsten Förderrunde.
Veröffentlicht durch die 4GY-Redaktion. Veröffentlicht am 28. August 2026.
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