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Erstes Konto eröffnen: Worauf Azubis achten sollten
Rund 700 bis 1.100 Euro Ausbildungsvergütung landen bei den meisten Azubis einmal im Monat auf dem Konto — und genau dieses Konto entscheidet mit, wie viel davon am Ende wirklich übrig bleibt. Ein falsch gewähltes Konto kann dich mit Kontoführungsgebühren, Kosten für die Girocard oder teuren Abhebungen im Ausland schnell 60 bis 100 Euro im Jahr kosten. Das lässt sich vermeiden, wenn du beim Eröffnen auf die richtigen Punkte achtest.
Girokonto oder Taschengeldkonto — was zählt als Azubi-Konto
Mit Beginn der Ausbildung wechseln die meisten von einem Taschengeldkonto, das häufig noch elterliche Verfügungsrechte enthält, zu einem vollwertigen Girokonto. Ab 18 kannst du ein Konto komplett eigenständig führen, ohne dass Eltern mitverfügen oder zustimmen müssen. Bist du bei Ausbildungsbeginn noch minderjährig, brauchst du für die Kontoeröffnung die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten — das Konto läuft aber trotzdem auf deinen Namen und mit deiner eigenen Karte.
Viele Banken bieten spezielle Azubi- oder Jugendkonten an, die bis zu einem bestimmten Alter — meist 25 oder 27 Jahre — kostenlos geführt werden. Danach greifen automatisch die regulären Kontogebühren, wenn du nicht rechtzeitig vergleichst oder wechselst. Trag dir das Ablaufdatum der Sonderkonditionen ruhig im Kalender ein, damit dich die Umstellung nicht überrascht.

Diese Kriterien sind wichtiger als die Werbung
Kontoführungsgebühren stehen zwar meist prominent in der Werbung, sind aber nur einer von mehreren Kostenpunkten. Genauso wichtig sind Gebühren für die Girocard, für Abhebungen an fremden Automaten und für Überweisungen ins Ausland, falls du zum Beispiel bei der Berufsschule oder im Urlaub darauf angewiesen bist. Ein Konto, das im ersten Jahr kostenlos wirkt, kann durch versteckte Gebühren bei Auslandsabhebungen trotzdem teuer werden.
Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird: das Automatennetz. Wenn deine Bank kein flächendeckendes Netz an gebührenfreien Automaten hat, zahlst du bei jeder Abhebung an fremden Automaten schnell zwischen 4 und 6 Euro Gebühr — das summiert sich über ein Ausbildungsjahr erheblich. Prüfe deshalb vor der Eröffnung, ob es in deiner Stadt und am Ausbildungsort ausreichend Automaten deiner Bank oder eines Verbundes gibt.
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| Kontoführung | Dauerhaft kostenlos oder nur bis zu einem Alter |
| Girocard | Im Kontopreis enthalten oder separat berechnet |
| Automatennetz | Gebührenfreie Abhebung in deiner Region möglich |
| Dispozins | Höhe des Zinssatzes, falls du ins Minus rutschst |
| App und Überweisungen | Echtzeitüberweisung, übersichtliche Kontoführungs-App |
Mindesteinzahlung und automatische Gehaltsbuchung
Manche Konten, vor allem bei klassischen Filialbanken, verlangen einen regelmäßigen Geldeingang von mehreren hundert Euro im Monat, damit die Kontoführung kostenlos bleibt. Für die meisten Azubis ist das durch die Ausbildungsvergütung ohnehin erfüllt — trotzdem lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte, damit du nicht ausgerechnet in einem Monat mit geringerer Zahlung plötzlich Gebühren zahlst, etwa während der Probezeit oder bei unbezahltem Urlaub.

Wichtig ist außerdem, dass dein Ausbildungsbetrieb die Kontoverbindung frühzeitig bekommt — idealerweise schon vor dem ersten Ausbildungstag, damit die erste Gehaltsüberweisung nicht verzögert wird. Frag in der Personalabteilung nach, bis wann die IBAN spätestens vorliegen muss.
Online-Banking, Karte und Sicherheit
Fast jedes moderne Konto bringt eine App mit, über die du Kontostand, Umsätze und Überweisungen in Echtzeit im Blick behältst. Achte darauf, dass die App eine klare Übersicht bietet und du Kartensperren im Notfall selbst per App auslösen kannst, statt erst eine Hotline anrufen zu müssen. Zwei-Faktor-Verfahren wie eine Banking-App mit Push-TAN sind heute Standard und deutlich sicherer als die früher übliche SMS-TAN.
Zur Grundausstattung gehört neben der Girocard meist auch eine kostenlose oder günstige Kreditkarte auf Guthabenbasis, mit der du im Ausland oder online zahlst, ohne dass ein Dispo nötig ist. Prüfe, ob eine solche Karte im Kontopaket enthalten ist oder separat beantragt werden muss, und ob dabei Jahresgebühren anfallen.
- Vergleiche mindestens drei Kontoangebote nach Kontoführung, Automatennetz und Dispozins.
- Prüfe, bis zu welchem Alter die Sonderkonditionen für Azubis gelten.
- Kläre, ob eine Girocard und eine Guthabenkarte im Preis enthalten sind.
- Teste die Banking-App vor der endgültigen Entscheidung, etwa über eine Demo-Version.
- Gib die neue IBAN rechtzeitig an die Personalabteilung deines Ausbildungsbetriebs weiter.

Wechsel während der Ausbildung — geht das problemlos?
Ein Kontowechsel während der Ausbildung ist rechtlich unkompliziert. Die meisten Banken bieten einen Kontowechselservice an, der Daueraufträge automatisch überträgt und die alte Bank über die neue Verbindung informiert. Trotzdem lohnt es sich, den Wechsel nicht kurz vor einer wichtigen Zahlung wie der Miete oder Rate einzuleiten, weil die Umstellung ein bis zwei Wochen dauern kann, bis wirklich alle Lastschriften auf dem neuen Konto ankommen.
Wenn du bereits ein Konto von den Eltern übernommen hast, das eigentlich als Taschengeldkonto angelegt wurde, ist der Wechsel zu einem vollwertigen Azubi-Girokonto meist sogar sinnvoll, weil Taschengeldkonten oft eingeschränkte Funktionen wie ein niedrigeres Verfügungslimit oder keine eigene Kreditkarte haben. Sprich mit der Bank konkret nach, welche Kontoart am besten zu deiner neuen Situation als Auszubildende oder Auszubildender passt.
Direktbank oder Filialbank — Vor- und Nachteile
Direktbanken ohne eigenes Filialnetz punkten fast immer mit niedrigeren oder gar keinen Kontoführungsgebühren, weil sie keine Miete für Filialen und weniger Personal einkalkulieren müssen. Dafür läuft die gesamte Kommunikation über App, Telefon oder Chat — wer lieber persönlich am Schalter berät wird, ist bei einer klassischen Filialbank oder Sparkasse oft besser aufgehoben, auch wenn dort die Kontoführung häufiger etwas kostet.
Ein Mittelweg sind Regionalbanken und Volksbanken, die zwar Filialen vor Ort haben, für junge Kundinnen und Kunden aber trotzdem oft kostenlose Azubi-Konten mit vollem Service anbieten. Wenn dir eine Ansprechperson vor Ort wichtig ist, etwa für Fragen zum ersten Sparplan oder zur Baufinanzierung in ein paar Jahren, kann sich der direkte Draht zur Filiale langfristig auszahlen, auch wenn die App einer Direktbank auf den ersten Blick moderner wirkt.

Häufige Fragen zum ersten eigenen Konto
Braucht man als Azubi zwingend ein neues Konto, oder reicht das alte Kinderkonto? Rechtlich spricht nichts dagegen, das bisherige Konto weiterzuführen, solange es keine Altersgrenze für die kostenlose Führung hat. Praktisch lohnt sich der Wechsel aber meist, weil viele Kinderkonten mit Einschränkungen wie einem niedrigen Verfügungsrahmen oder ohne eigene Kreditkarte ausgestattet sind, die im Ausbildungsalltag schnell zum Nachteil werden.
Was passiert, wenn man während der Ausbildung den Wohnort wechselt, etwa wegen eines Blockunterrichts an einer weit entfernten Berufsschule? Das Konto selbst bleibt davon unberührt, solange du bei deiner Bank online oder per App weiterhin Zugriff hast. Nur bei sehr regionalen Sparkassen kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob Automaten und Filialen auch am neuen Berufsschulstandort erreichbar sind.
Und was, wenn die Ausbildung vorzeitig endet oder du den Betrieb wechselst? Das Konto ist unabhängig vom Arbeitsverhältnis und läuft ganz normal weiter — du musst lediglich der neuen Personalabteilung die bestehende IBAN mitteilen, ein neues Konto ist dafür nicht nötig.
Was am Ende wirklich zählt
Ein gutes Konto für die Ausbildungszeit kostet dich im Idealfall nichts an Grundgebühren, bietet ein ausreichendes Automatennetz in deiner Region und eine App, mit der du deine Finanzen im Blick behältst. Vergleichsportale helfen bei der ersten Orientierung, ersetzen aber nicht den Blick ins tatsächliche Preis- und Leistungsverzeichnis der jeweiligen Bank, weil dort auch Detailregelungen zu Mindesteinzahlung und Kartenkosten stehen. Nimm dir für den Vergleich eine halbe Stunde Zeit — die zahlt sich über die gesamte Ausbildungsdauer mehrfach aus.
Veröffentlicht durch die 4GY-Redaktion. Veröffentlicht am 30. Juli 2026. Aktualisiert am 13. August 2026.
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