Vermögenswirksame Leistungen: Was Azubis davon wissen sollten
Erstes GeldSparen

Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir möglicherweise eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Das hilft uns, weiterhin kostenlose Inhalte zu erstellen.

Vermögenswirksame Leistungen: Was Azubis davon wissen sollten

40 Euro im Monat legt der Staat bei vermögenswirksamen Leistungen für dich obendrauf — vorausgesetzt, dein Ausbildungsbetrieb zahlt sie und du erfüllst bestimmte Einkommensgrenzen. Trotzdem lässt fast die Hälfte aller Azubis dieses Geld liegen, weil sie den Anspruch gar nicht kennen oder den Antrag nie stellen.

Was vermögenswirksame Leistungen eigentlich sind

Vermögenswirksame Leistungen, kurz VL, sind ein Zuschuss, den dein Arbeitgeber zusätzlich zu deinem Ausbildungsgehalt in einen Sparvertrag deiner Wahl einzahlt. Das können ein Banksparplan, ein Aktienfonds-Sparplan oder ein Bausparvertrag sein. Der Clou: Das Geld fließt nicht auf dein normales Gehaltskonto, sondern direkt in den vereinbarten Vertrag — du siehst es im Alltag gar nicht, sparst es also automatisch, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

Viele Tarifverträge in Deutschland sehen VL für Azubis vor, oft in Höhe von 13,29 Euro bis 40 Euro monatlich. Ob und wie viel dein Betrieb zahlt, steht im Tarifvertrag deiner Branche oder im individuellen Ausbildungsvertrag. Wichtig zu wissen: Der Betrieb zahlt nur, wenn du selbst einen passenden Sparvertrag abgeschlossen und die Vertragsdaten der Personalabteilung mitgeteilt hast — von allein passiert nichts.

Vermoegenswirksame leistungen azubi: practical guide overview
Vermoegenswirksame leistungen azubi
💡 Gut zu wissen: Frag aktiv in der Personalabteilung nach, ob dein Ausbildungsbetrieb vermögenswirksame Leistungen zahlt und wie hoch der Betrag ist. Diese Information steht selten von sich aus im Ausbildungsvertrag im Klartext, sondern verweist meist nur auf den geltenden Tarifvertrag.

Die Arbeitnehmersparzulage: Der zweite Zuschuss vom Staat

💶

Haushaltsbuch: Der Finanzplaner für 2 Jahre

Einnahmen und Ausgaben strukturiert im Überblick behalten — undatiert, sofort startklar.

* Affiliate-Link

Bei Amazon ansehen →

Zusätzlich zur Zahlung deines Betriebs kann der Staat eine Arbeitnehmersparzulage draufgeben — ein staatlicher Bonus, der VL noch attraktiver macht. Voraussetzung ist, dass dein zu versteuerndes Jahreseinkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet. Als Azubi liegst du mit deinem Gehalt in den allermeisten Fällen deutlich unter diesen Grenzen, sodass die Zulage für dich fast immer infrage kommt.

AnlageformStaatliche ZulageSperrfrist
Aktienfonds-Sparplanbis zu 20% (Arbeitnehmersparzulage)7 Jahre
Bausparvertragbis zu 9% (Wohnungsbauprämie, separat)7 Jahre
Banksparplankeine Zulagekeine

Die genauen Prozentsätze und Einkommensgrenzen ändern sich gelegentlich per Gesetz, deshalb lohnt sich vor Vertragsabschluss ein aktueller Blick auf die Website deiner Bank oder Fondsgesellschaft. Grundsätzlich gilt aber: Wer als Azubi einen Aktienfonds-Sparplan für seine VL wählt, bekommt potenziell drei Geldquellen gleichzeitig — den Zuschuss des Arbeitgebers, die staatliche Sparzulage und die Rendite des Fonds selbst.

Welche Anlageform für Azubis sinnvoll ist

  1. Aktienfonds-Sparplan: Für die meisten Azubis die attraktivste Option, weil die Sperrfrist von sieben Jahren gut zum langfristigen Vermögensaufbau passt und die Arbeitnehmersparzulage on top kommt.
  2. Bausparvertrag: Sinnvoll, wenn schon absehbar ist, dass du in den nächsten Jahren Wohneigentum planst oder eine Anschlussfinanzierung brauchst — sonst eher unflexibel.
  3. Banksparplan: Die sicherste, aber renditeschwächste Variante, ohne staatliche Zulage. Für kurzfristige Ziele geeignet, langfristig meist die schwächste Wahl.
⚠️ Achtung: VL-Verträge haben eine Sperrfrist von in der Regel sieben Jahren. Kündigst du vorzeitig, verlierst du meist die staatliche Zulage rückwirkend. Plane den Vertrag deshalb wirklich als langfristiges Sparen, nicht als kurzfristigen Notgroschen.

So beantragst du VL in der Praxis

Der Ablauf ist in den meisten Fällen unkompliziert und läuft in drei Schritten. Zuerst klärst du mit der Personalabteilung, ob und in welcher Höhe dein Betrieb VL zahlt. Dann eröffnest du bei einer Bank, Fondsgesellschaft oder Bausparkasse deiner Wahl einen VL-fähigen Sparvertrag — viele Anbieter haben dafür extra gekennzeichnete Produkte im Programm. Zuletzt reichst du die Vertragsdaten, meist eine Kontoverbindung mit VL-Kennzeichen, bei deiner Personalabteilung ein, damit die monatliche Überweisung eingerichtet wird.

Von Antrag bis zur ersten tatsächlichen Zahlung vergehen oft ein bis zwei Monate, je nach Bearbeitungszeit im Betrieb. Es lohnt sich daher, das Thema früh im ersten Ausbildungsjahr anzugehen, statt es aufzuschieben — jeder Monat ohne VL-Vertrag ist ein Monat, in dem der Zuschuss ungenutzt verfällt.

💡 Gut zu wissen: Manche Ausbildungsbetriebe zahlen VL nur auf Antrag, andere automatisch nach Tarifvertrag ab dem ersten Ausbildungstag. Erkundige dich schon beim Ausbildungsstart aktiv danach — viele Azubis merken erst im zweiten oder dritten Jahr, dass sie längst Anspruch gehabt hätten.

Was ist, wenn dein Betrieb keine VL zahlt?

Nicht jeder Ausbildungsbetrieb ist tarifgebunden oder zur Zahlung von VL verpflichtet. In diesem Fall lohnt sich trotzdem der Blick auf die Arbeitnehmersparzulage: Du kannst auch ohne Arbeitgeberzuschuss einen VL-fähigen Sparplan eröffnen und selbst einzahlen, um zumindest die staatliche Förderung mitzunehmen, sofern dein Einkommen unter der Grenze liegt. Der Effekt ist kleiner als mit Arbeitgeberzuschuss, aber immer noch besser als ein normaler Sparplan ohne jede Förderung.

Alternativ kann es sich lohnen, das Thema VL beim nächsten Gehaltsgespräch oder bei einer Vertragsverlängerung aktiv anzusprechen. Manche Betriebe bieten VL freiwillig an, auch wenn sie tariflich nicht dazu verpflichtet sind, gerade um Azubis als Fachkräfte langfristig zu binden.

VL im Vergleich zu anderen Sparformen für Azubis

Im Vergleich zu einem klassischen Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben vermögenswirksame Leistungen einen entscheidenden Vorteil: Es handelt sich um zusätzliches Geld, das der Arbeitgeber und potenziell der Staat beisteuern — kein Betrag, der von deinem eigenen Nettogehalt abgeht. Das unterscheidet VL fundamental von anderen Sparstrategien, bei denen du selbst auf Konsum verzichten musst, um Geld zurückzulegen.

Vermoegenswirksame leistungen azubi: step-by-step visual example
Vermoegenswirksame leistungen azubi

Der Nachteil ist die eingeschränkte Verfügbarkeit durch die Sperrfrist. Wer kurzfristig auf sein Geld zugreifen muss, etwa für einen Notgroschen, sollte VL nicht als einzige Sparform nutzen, sondern parallel ein flexibel verfügbares Konto führen. VL eignet sich vor allem als langfristiger Baustein neben, nicht anstelle von kurzfristig verfügbaren Rücklagen.

Häufige Missverständnisse rund um VL

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass VL automatisch mit dem Ausbildungsvertrag beginnen. Tatsächlich passiert ohne aktiven Antrag gar nichts — selbst wenn der Tarifvertrag deines Betriebs eine Zahlung vorsieht, überweist die Personalabteilung erst, wenn ein gültiger VL-Vertrag mit Kontodaten vorliegt. Wer das nicht weiß, verschenkt oft die gesamte Ausbildungszeit über den möglichen Zuschuss, ohne es zu merken.

Ein zweites Missverständnis betrifft die Höhe: Viele Azubis gehen davon aus, VL seien nur für Angestellte mit höherem Gehalt relevant. Das Gegenteil ist der Fall — gerade weil die Einkommensgrenzen für die staatliche Arbeitnehmersparzulage bei Azubi-Gehältern fast immer unterschritten werden, profitierst du potenziell von der vollen Förderung, während Besserverdienende oft schon aus der Zulage herausfallen.

Ein drittes Missverständnis ist die Annahme, VL und ein privater ETF-Sparplan seien austauschbar. Beide verfolgen ähnliche Ziele, aber nur VL bringt den Arbeitgeberzuschuss und die staatliche Zulage mit — ein privater Sparplan ohne diese Komponenten ist zwar flexibler, aber ohne die zusätzlichen Geldquellen, die VL so attraktiv machen. Im Idealfall nutzt du perspektivisch beides parallel: VL für den geförderten Teil, einen flexiblen Sparplan für alles, was über die Sperrfrist hinaus verfügbar bleiben soll.

Der finanzielle Effekt über die Ausbildungszeit

Bei einer angenommenen Arbeitgeberzahlung von 26,59 Euro monatlich über drei Ausbildungsjahre kommen ohne jede Rendite bereits rund 957 Euro zusammen — Geld, das ohne eigenes Zutun aus deinem Gehalt entstanden wäre. Mit staatlicher Sparzulage und der Rendite eines Aktienfonds-Sparplans kann die Endsumme nach der siebenjährigen Sperrfrist noch deutlich höher liegen. Für ein Produkt, das im Alltag komplett unsichtbar bleibt, weil es nie über dein Gehaltskonto läuft, ist das ein außergewöhnlich guter Deal — vorausgesetzt, du stellst den Antrag überhaupt.

Rechnest du diesen Effekt auf eine komplette Berufslaufbahn hoch, wird der Unterschied noch deutlicher: Wer schon als Azubi mit VL beginnt und den Vertrag nach Ende der Sperrfrist neu abschließt oder fortführt, gewöhnt sich früh an eine Sparform, die viele Berufstätige erst Jahre später für sich entdecken. Der einmalige Verwaltungsaufwand — Vertrag abschließen, Kontodaten an die Personalabteilung geben — steht in keinem Verhältnis zum finanziellen Nutzen über die gesamte Sperrfrist. Wer diesen einen Antrag früh in der Ausbildung stellt, hat einen der wenigen wirklich kostenlosen Vorteile im Berufsleben abgeholt, den viele andere schlicht übersehen.

Teilen:

Veröffentlicht durch die 4GY-Redaktion. Veröffentlicht am 13. August 2026.

Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.

Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@4gy.de

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.